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Mit Kirche nichts mehr am (Schützen-) Hut? – Oder warum ich zur Prozession gehe

Corona und Krieg – die große Zeitenwende! Man will es eigentlich gar nicht mehr hören. Aber auch die katholische Kirche befindet sich inmitten dieser Zeitenwende und das betrifft auch unmittelbar unser Gemeindeleben hier vor Ort. Vor 50 Jahren wurde über Menschen (und vor allem über junge Schützen), die es Fronleichnam auf dem Schützenfest nicht schafften rechtzeitig oder überhaupt zur Messe zu kommen die Nase gerümpft und „geschrotzt“, wie wir im Sauerland sagen. Der arme Jungschütze konnte sich eines dummen Spruches oder sogar eines Anpfiffs von den älteren Schützen oder der Verwandtschaft sicher sein. Heute hat sich die Zeit gewendet: wer überhaupt noch zur Kirche oder zur Schützenprozession geht, wird als weltfremd verspottet, bestenfalls noch als frömmelnder Traditionalist belächelt. Warum sollte man also ausgerechnet Schützenfest oder zum Patronatsfest St Johannes zur Prozession gehen?

Ich fange mal an, warum ich sicherlich nicht zur Prozession gehe. Ich möchte damit nicht meine Verbundenheit mit der Amtskirche, gewissen deutschen Bischöfen oder gewissen Priestern ausdrücken. Definitiv möchte ich auch nicht ausdrücken, dass die Krise der Kirche und insbesondere der Missbrauch-Skandal für mich aufgearbeitet ist.

Ich gehe zur Prozession, um meine Verbundenheit mit unserer Gemeinde und unserem Dorf auszudrücken. Viele Menschen haben hier während der Pandemie unser Gemeindeleben am Leben gehalten und gerade älteren Menschen die Chance gegeben, weiter die Kirche zu besuchen.

Ich gehe zur Prozession, um meine dankbare Verbundenheit mit Gottes Schöpfung auszudrücken. Ich empfinde es als Glück inmitten unserer Wälder, Felder und Wiesen leben zu können, die uns Kraft und Nahrung spenden.

Ich gehe zur Prozession, weil ich glaube, dass Gott in unserer Gemeinde wirkt. Ich vermisse das Erlebnis, mit vielen Gläubigen, den Schützen und dem Musikverein gemeinsam die Messe, unser Vereinsleben, unsere Traditionen und unsere Freundschaften feiern zu können.

Ich gehe zur Prozession aus Dankbarkeit. Wenn auch die Krise unser Dorfleben eingeschränkt hat, so sind doch die meisten heil und gesund durch die Krise gekommen. Wir haben weder Hunger noch Krieg leiden müssen, statt Klopapier tut’s auch das Papiertaschentuch!

Letztlich gehe ich zur Prozession, weil ich mich immer noch in unserem Dorf und unserer Gemeinde wohl fühle. Wie könnte man dies besser ausdrücken als in einer gemeinsamen Demonstration für Glaube und Heimat auf den Prozessionen? Natürlich mit Schützenhut!

M.A.

 

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