Der neu errichtete Dorfplatz
mit Möhnekump und Burer Linde
in der Mitte von Altenbüren.

von Willi Mester,
Chronist und Archivar der "Dorfgemeinschaft Altenbüren e. V."
Am 9. September 2007 wurde in Altenbüren ein neuer Dorfplatz feierlich eingeweiht und den Besuchern in seiner Historie vorgestellt.
Beginnend mit der Geschichte des Dorfes wurde den Zuhörern die Gestaltung und Bedeutung des Möhnekumps und der Burer Linde, die an die Geschichte erinnern soll wie folgt erklärt:
"Seit Urzeiten gab es im Tal zwischen Steinberg und Kreuzberg eine Quelle, die reichlich Wasser an die Oberfläche sprudeln ließ. Um diese Quelle siedelten sich Menschen an, die mit Ackerbau und Viehzucht ihren Lebensunterhalt bestritten. Wasser war das wichtigste Nahrungsmittel für Mensch und Vieh, denn ohne Wasser war kein Leben möglich. Die Leute nannten diese Quelle Möhne, das Wort kommt aus dem Keltischen und hat sich über Jahrhunderte überliefert, es wurde von Generation zu Generation weiter gegeben.
Die erste urkundliche Erwähnung Altenbürens gab es ja bekanntlich erst um 1338 durch den Grafen Gottfried von Arnsberg. Zu der Zeit wurde das Dorf aber schon als alt beschrieben und Buren genannt.
Nirgendwo auf der Briloner Hochebene hat sich das Wort Möhne so in das
Bewustsein der Leute eingeprägt wie in Altenbüren. Dabei muß
auch darauf hingewiesen werden, das der Ursprung der Möhne auf alten Karten
des 16. 17. und 18. Jahrhunderts stets in der Nähe Altenbürens dargestellt
wird. Auf einigen Karten ist sogar in der Nähe von Altenbüren die
lateinische Bezeichnung
"Fons Moenae" eingezeichnet, was in der Übersetzung "Quelle
der Möhne" heißt. Das kann kein Zufall sein, denn diese Angabe
unterstützt die Vermutung, daß diese Stelle hier in Altenbüren
auch als Beginn des Möhneflusses angesehen wurde.
Erst in neuerer Zeit ist die Möhnequelle an eine andere Stelle im Stadtgebiet von Brilon gelegt worden, wozu es aber keinen historischen Beweis gibt. Jüngst geht man allerdings von mehreren Möhnequellen aus und bezeichnet das als "Quellgebiet" der Möhne.
Unsere Vorfahren bauten um die Quelle eine großzügige Mauer und
stauten darin das Wasser. Zwei Entnahmestellen ermöglichten so eine getrennte
Wasserversorgung für Mensch und Vieh.
Somit hatte man für das ganze Dorf einen Brunnen geschaffen, den "Möhnekump,"
der sich mit der Zeit zu einem geselligen Treffpunkt für Jung und Alt entwickelte.

Die Fassung der Quelle muß schon in der Zeit weit vor 1800 gewesen sein,
denn Johannes Hofmann, von 1804 bis 1835 Lehrer, Küster und Organist in
Altenbüren war, schrieb 1804 in sein Tagebuch unter anderem, dass sich
rund um die Möhne ein reges Dorfleben abspielte. Vor seiner Einstellung
als Lehrer mußte er vor der ganzen Altenbürener Bevölkerung
öffentlich das Versprechen abgeben, dass er die Tochter seines Vorgängers,
des Lehrers Heine zu ehelichen gedenke und den alten Lehrer zu sich aufnehme,
damit er versorgt sei und der Allgemeinheit nicht zur Last falle.
Das beweist aber auch, dass der Brunnen mit der Möhnequelle schon vor 200
Jahren ein Mittelpunkt des dörflichen Lebens war.

Man traf sich in Altenbüren an der Möhne.
Selbst das jährliche Schützenfest wurde nachts mit einem dreimaligen
Umzug um die Möhne beendet. Auch der jährliche Maibaum und der Erntekranz
am Erntedankfest hatten dort ihren Platz.
Wie dieser Möhnekump ausgesehen hat und was sich dort alles abspielte,
belegen einige Fotos aus früheren Zeiten.

Im Jahre 1928 wurde der Kump umgebaut, er bekam ein völlig anderes Aussehen. Durch Gemeinderatsbeschluß vom 1. August 1928 hat man ihn nach den Plänen des preußischen Hochbauamtes zu Arnsberg neu erstellt. Diese Pläne liegen noch vor und wurden auch bei diesem Neubau genutzt.

Der Kump stand an der Ecke Hüttenstraße und Briloner Straße, zwischen den Bauernhäusern der Familien Bals und Sauerwald, gn. Stolten. En paar Stufen führten hinauf auf einen Platz mit Bänken zum Verweilen,. ein Aufbau aus drei großen Steinen mit einer eingemeißelten Inschrift, die da lautet:
"MET LAIFTE NIGGE LETT UN KLEDT,
BRENGET SPRING NIU IUT DER DÖPPTE MET,
GUATTES SIÄGEN ALLTEYT UN GEDAIH,
FÜÄR MENSKEN UN FÜÄRT LAIWE VAIH."
Das ist Plattdeutsch und heißt übersetzt,
Mit Liebe neu geleitet und gekleidet, bringt die Quelle nun aus der Tiefe mit,
Gottes Segen allzeit und Gedeih, für Menschen und fürs liebe Vieh.
Die Inschrift auf der Rückseite der Steine lautet:
GUATS WATER, RAIN UN WAIK UN KLOR,
FLOUT RIUT DÜM SPRING VIEL HUNDERT JOHR.
Übersetzt lautet das,
Gutes Wasser, rein und weich und klar, fließt aus der Quelle viele hundert Jahre.
Darüber waren zwei Kugeln angebracht, aus Granitstein gehauen, welche der Dorfmitte ein neues Bild gaben. Die drei Steine mit der Inschrift wurden wieder aufgefunden und in dieses neue Denkmal eingebaut. Es ist also ein Originalteil von historischem Wert erhalten geblieben.
Der Altenbürener Möhnekump wurde im Jahre 1981 abgerissen, das Wasser
der Quelle durch Rohre weiter geleitet bis es nach ein paar hundert Metern wieder
ans Tageslicht kam. Die Ortsdurchfahrt von zwei Bundesstraßen wurde großzügig
verbreitert. Dafür mußten der Möhnekump, das alte Kriegerdenkmal
und das Jugendheim weichen. Auch einige schöne alte Fachwerk Häuser
fielen der Straße zum Opfer.
Der Dorfmittelpunkt war ärmer geworden, die Kreuzung und der Verkehr aber
um so mächtiger.

Doch nun hat der Heimatverein mit Genehmigung und Unterstützung der Stadt Brilon auf dem Gelände des ehemaligen Hauses Tüllmann mit Hilfe privater und öffentlicher Spenden und dank einiger rüstiger Rentner in Eigenleistung diesen neuen Dorfplatz errichtet.

Ein weiterer historischer Punkt ist die Burer Linde mit dem Zehnt oder auch
Gerichtsstein, die fast in Vergessenheit geraten ist. Die Linde ist ein Baum,
um den sich Legenden ranken.
In nahezu vielen Orten gibt es Stellen, an denen sich für den Ort herausragende
Wahrzeichen befinden. Das kann ein historisches Bauwerk oder auch ein lebendiges
Zeugnis sein.
Ein historisches Bauwerk, wie es der Altenbürener Möhnekump in früheren Jahren war und nun neu erstellt wurde, ist ein solches Wahrzeichen. Es rankten sich keine Legenden um ihn herum, sondern es sind noch lebendige Erinnerungen aus der Jugendzeit der heute älteren Mitbürger vorhanden.
Anders verhält es sich mit der Burer Linde.
Dieser Baum stand in früherer Zeit an der Alten Heeresstraße, wo
die Flurgrenze zwischen Altenbüren und Antfeld verläuft. Die Feldflur,
sowohl auf Antfelder wie auf Altenbürener Seite, heißt Burlinge,
übersetzt, Burer Linde.
Die Bezeichnung Buren bezieht sich auf die erste Nennung einer Ansiedlung rund
um die Möhnequelle. Diese Ansiedlung liegt zeitlich gesehen in den Anfängen
der Besiedlung des oberen Sauerlandes und wurde Buren genannt. Im Laufe der
Jahrhunderte änderte sich der Name, aber das Wort Buren blieb, bis um 1550
Alten davor gesetzt wurde, was auch bedeutete, daß dort der allgemeine
Grenzzehnte erhoben wurde.
Das geschah unter der Burer Linde, denn seit der Bronzezeit gehört die
Linde zu den heiligen Bäumen der keltischen und germanischen Stämme.
Mythen und Sagen rankten sich an vielen Orten um den Lindenbaum, der der Göttin Freya gewidmet war. Unsere Vorfahren hatten besonders zur Linde ein inniges Verhältnis. Gerade dieser Baum ist in so vielen Gedichten und Liedern besungen worden. Die Jugend traf sich früher unter einer Linde zu Spiel und Tanz.
Unter einer Linde wurde aber auch vielfach Recht gesprochen und der Zehnte an den Lehnsherrn entrichtet. Auch in vielen Dörfern wurde von örtlichen Richtern über die kleinen Vergehen und Verstöße gerichtet, wie sie im täglichen Leben immer wieder vorkamen Das geschah im Mittelalter auch bei den berüchtigten Femegerichten, die gerade hier in Westfalen eine große Wirksamkeit erzielten. Das Gericht wurde mit Vorliebe im Freien unter einer Linde gehalten.
Viele Linden wurden auch außerhalb der Ortschaften gepflanzt. Hatten
sie sich erst zu wahren Prachtexemplaren entwickelt, prägten und beherrschten
sie oft eine ganze Feldflur.
So muß die Burer Linde, die an der Alten Straße westlich der Elmerborg
an der Flurgrenze zwischen Altenbüren und Antfeld stand, die Gemarkung
beherrscht haben. Auch sie ist auf einer alten Karte als Burer Linde bezeichnet.
Warscheinlich hat in alter Zeit auch ein Stein, den man als Gerichts- oder auch
als Zehntstein benennen kann, unter der Burer Linde gestanden. Fest steht, daß
früher in Altenbüren Wegezoll entrichtet werden mußte und der
Zehnte auch eingezogen wurde.
Daran sollen uns die Steinblöcke erinnern, die unter die neue Linde gesetzt wurden.

Das spricht wiederum für die Tatsache, das die Elmerburg nicht nur eine Legende, sondern Wirklichkeit gewesen sein kann, denn Legenden und Überlieferungen enthalten in der Regel ein großes Stück Wahrheit.
So kann für das Dorf Altenbüren ein sehr früher geschichtlicher
Hintergrund gedeutet werden, der zwar nirgends geschrieben steht, aber in Erzählungen
und Überlieferungen für die dort lebenden Menschen eine feste Bedeutung
hat.
Legenden und Überlieferungen sind auch in Altenbüren seit Jahrhunderten
von einer Generation zur anderen weitergegeben worden. Das gilt nicht nur für
andere Orte, sondern auch für Altenbüren, denn Geschichte muß
erforscht und gelebt werden.
Dieser Geschichte ist auf dem neuen Dorfplatz, durch das Pflanzen einer Linde, das Aufstellen eines Gerichts- und Zehntsteines, sowie dem Wiederaufbau des historischen Möhnekumps ein Denkmal gesetzt worden, um ein Erinnern daran wachzuhalten.
Möge das, was hier geschaffen wurde, in Ehren gehalten werden und in Zukunft und nicht nur bei der Einweihung immer wieder Anlaß geben, sich an diesem Platz in geselliger Runde zu treffen.
Altenbüren im September 2007
Willi Mester.